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Die SY Polarwind in der Antarktis

20. Januar 2018

Ende Dezember 2017 ging für die Stammcrew der Polarwind wieder ein Traum in Erfüllung: Ein Törn ins ewige Eis. Die Vorbereitungen für diese mehrwöchige Reise mit Expeditionscharakter zogen sich über Monate, mussten doch Schiff und Crew bestens vorbereitet sein für die Einsamkeit des weißen Kontinents. Dann galt es natürlich auch, die entsprechenden Genehmigungen zu beantragen, die zwar viel Arbeit machen, aber im Sinne des Schutzes der Antarktis absolut sinnvoll sind.

Das schwierigste an einem Antarktis-Törn ist neben den ständigen Eiswachen in der Antarktis selbst zweifellos der Weg dorthin. Die Drake-Passage, wo Atlantik und Pazifik aufeinandertreffen, verdient allen Respekt und ist selbst bei einem einigermaßen passenden Wetterfenster wegen der meterhohen Wellen nicht einfach zu besegeln.

Der Blick auf die ersten Eisberge entschädigt uns für fünf Tage Schleudergang in der Drake. Bilderbuchartig tauchen die ersten Eisberge auf, zuerst schollenartig, dann kirchengroß. Am Wrack eines Walfängers machen wir in der Bucht Enterprise fest. Es folgen unvergessliche Wochen in Eis und Schnee der antarktischen Halbinsel. Faszinierend sind die unterschiedlichen Eisformationen. Auch nach Tagen wird es nicht langweilig, sie zu bestaunen, mal haushoch, dann wieder ganz flach und blau-schimmernd leuchtend. Täglich neu bewundern wir die Tierwelt: auf Eisschollen schlummernde See-Leoparden, um den Bug schwimmende Buckel- und Minkwale und immer und überall Pinguine. Der Geruch ihrer Hinterlassenschaften kündigt eine Kolonie schon von weitem an.

Beim Besuch der chilenischen Station Gonzalo Videla in der Paradise-Bay, die ihren Namen absolut zu recht trägt, ist der fünf Meter Sicherheitsabstand zu den Tieren gar nicht einzuhalten. Wir bleiben zwar auf den Wegen, aber die Pinguine sind mindestens genauso neugierig wie wir und watscheln uns munter zwischen die Beine.

Mit Verwunderung beobachten wir die vielen Menschen auf der ehemaligen englischen Forschungsstation Port Lockroy, einem beliebten Ziel aller Kreuzfahrten in die Antarktis und freuen uns dann umso mehr über die Schönheit und Einsamkeit des von hohen Felsbergen umsäumten Le Maire Kanals.

Vorsicht ist jeden Tag neu geboten. Die Eisverhältnisse in den Kanälen und Durchfahrten ändern sich täglich und mehr als einmal ist uns der Weg in eine sichere Ankerbucht wegen eines Eisberges verwehrt. Wir beobachten genau das Wettergeschehen, versuchen, uns von jeglichem Sturm oder Starkwind fernzuhalten und warten geduldig auf ein Wetterfenster, um Anfang Februar zurück an den Südzipfels Chiles zu segeln.

Als wir nach erneuten fünf Tagen in der Drake-Passage am berühmten Micalvin in Puerto Williams festmachen, sind wir erschöpft, aber v.a. glücklich und dankbar für dieses unvergessliche Abenteuer.