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Wenn aus Träumen Albträume werden

22. März 2020

Dschibuti: Wir sind in Kontakt mit vielen Segler/innen in aller Welt, die wir im Laufe der Jahre kennengelernt haben. Mehr als eine/r ist zur Zeit völlig verzweifelt. Die Informationen über verhängte Einreisestopps und geschlossene Häfen ändern sich täglich – und nicht zum Besten. Das Corona-Virus macht die internationaler Seglergemeinschaft zu einer Gruppe nicht gewollter Aussätziger, für die sich momentan niemand zuständig fühlt und die selbst nicht wissen, wohin. Innerhalb von einer Woche hat sich bei den meisten das traumhafte Bord-Leben in einen Albtraum verwandelt.

Facebook-Gruppen wie die zum Roten Meer, in der es eigentlich um aktuelle Piraten-Warnungen geht, werden nun für Corona-Segel-Infos genutzt. In welche Häfen kann man noch einlaufen? Wo gibt es noch Lebensmittel oder Wasser und Diesel?

Gute Freunde sitzen mit ihrer Yacht auf den Malediven fest. Der Skipper schreibt etwas sarkastisch: Wer hätte gedacht, dass mein Hobby, das Speerfischen, plötzlich zu lebensnotwendiger Nahrungsbeschaffung werden würde?

Noch ist Corona in den meisten Ländern zu frisch, als das geregelt wäre, wer sich um ankommende Yachten kümmert. „Bleibt, wo ihr seid!“, ist der Tenor – wenn immer es möglich ist. In Dschibuti ist es leider nicht möglich. In wenigen Wochen wird sich das Wetter ändern.Für uns heißt das, das wir beim nächsten Wetterfenster weiter müssen. Unser eigentliches nächstes Ziel, Suakin im Sudan, ist inzwischen auch zu. Unser Plan ist es nun, zu versuchen, so schnell wie möglich so weit es geht nach Norden zu kommen. Aber wir werden uns wohl wegen des immer wiederkehrenden Nordwindes in Ankerbuchten entlang der Westküste des Roten Meeres hangeln müssen.

Wie es momentan aussieht, werden wir auch nicht in Ägypten einlaufen dürfen. Da wir dort aber erst ein paar Wochen ankommen werden, hoffen wir zumindest frisches Wasser und Lebensmittel bekommen zu können. Und dann möglichst schnell durch den Suez-Kanal.

Wir wissen nicht, wann wir das nächste Mal Land betreten oder wo das sein wird. Auch nicht, wo und wann wir das nächste Mal Lebensmittel bekommen oder unsere Wäsche waschen können. Wir wissen nur, dass wir hier nicht bleiben können. Schauen wir, was passiert.