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Im Galopp nach Vanuatu

16. September 2019

Es hat sich wieder einmal gelohnt, auf das passende Wetter zu warten. Bei konstantem Wind von knapp 20 Knoten aus Südost sausen wir quasi im Galopp die gut 500 Seemeilen gen Westen. Sogar die Wellen sind beinahe angenehm. Das ist Segeln vom Feinsten! Ganz ungewohnt sieht nur der Himmel aus. Es ist die ganze Zeit bewölkt und regnet immer wieder einmal. Tagsüber sind es „nur“ noch um die 25 Grad C und nachts gerade 20. Nach den vielen Monaten in der Hitze kommt uns das regelrecht kalt vor. Auch auf dieser Etappe gibt es kaum Schiffsverkehr, nur zwei Fischer sehen wir in der dritten Nacht auf dem AIS.

Viel schneller als gedacht laufen wir in die Bucht von Port Vila ein. Nach dem Einklarieren lassen wir uns mitreißen und faszinieren von dem Fremden, Anderen, Neuen in diesem kleinen, uns völlig unbekannten Land.

Beim ersten Besuch auf dem Markt probieren wir gleich ein paar Brocken in der Landessprache zu lernen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn bei gerade mal 276.000 Einwohnern gibt es mehr als 110 verschiedene Sprachen. In keinem anderen Land der Welt gibt es mehr Sprachen pro Einwohner als hier. „Bislama“ verbindet alle, ein aus der französisch-britischen Kolonialzeit übrig gebliebenes Pidgin English. Aber selbst das ist für uns nicht so einfach und die Marktfrauen in ihren bunten, langen Kleidern haben Spaß bei unseren Sprachversuchen.

Die Stadt hat ihren eigenen Charme. Allerdings hat 2015 der Zyklon Pam auf Vanuatu gewütet und viele Inseln sowie 90% der Gebäude von Port Vila beschädigt. Am Ufer der vorgelagerten Insel der Stadt liegen buchstäblich als optische Warnung noch die Wracks von Fähren und Segelyachten aus dieser Zeit.

Sobald man die Hauptstadt Port Vila verlässt, gibt es lediglich ein paar Dörfer – und ganz viel Natur. Wir machen eine Wanderung zu einem Wasserfall. Unterwegs kommen wir an Palmen voller Kokosnüsse, Bananenhainen und Papaya-Pflanzen vorbei. Eine alte Frau sammelt Feuerholz. 80% der Bevölkerung sind Selbstversorger. Sie leben von dem, was die Insel hergibt. Der Wasserfall ist beeindruckend, das Beste daran, dass man in den natürlichen Becken unterhalb im eiskalten Wasser schwimmen kann. An einer Stelle ist sogar eine Art Rutsche im Fels. Das ist genau die Abkühlung, die wir nach der Wanderung durch die Hitze brauchen – herrlich!

Das schönste sind für uns auf allen Inseln die Begegnungen mit den Menschen, den Einheimischen. Mit Menschen, die einfach ihr Leben leben und bereit sind, uns ein klein wenig daran teilhaben zu lassen.

An einem Nachmittag fahren wir in das kleine Dorf Pango. Wir sind erst ein paar Minuten in dem kleinen Dorf, in das normalerweise keine Touristen kommen, als wir mit einer Frau, die gerademit der Hand im Garten Wäsche in zwei großen Bottichen wäscht, ins Gespräch kommen. Sie begleitet uns nicht nur durch das Dorf, sondern lädt und zu sich nach Hause ein, erzählt von ihrem Leben. Ihr Mann pflückt Kokosnüsse für uns, die Kinder spielen mit unseren. Wir verbringen ein paar wunderschöne gemeinsame Stunden.

Ein paar Tage später lädt uns ein Fischer ein, den wir gleich am ersten Tag kennengelernt haben. Er wohnt bei seiner Schwester und ihrer Familie. Fünf Personen teilen sich zwei kleine Räume. Wir werden herzlich empfangen und zum Abendessen eingeladen. Landesüblich sitzen wir auf dem Boden und essen mit der Hand. Am nächsten Tag laden wir die Familie zum Gegenbesuch an Bord ein.

Wie gern wären wir noch länger geblieben, in diesem kleinen, feinen Land. Aber die Zyklonenzeit naht und wir haben noch etliche Meilen vor uns, bis wir in sicherem Gebiet sind. So sind wir beim nächsten Wetterfenster wieder unterwegs. 

Arbeitsalltag

01. September 2019

Vuda Point, Fidschi: Die Polarwind steht an Land. Die letzten Monate haben dem Unterwasserschiff doch mehr zugesetzt, als zunächst gedacht. So müssen wir das gesamte Antifouling erneuern, incl. aller Vorarbeiten, Antirost und Primer. Skipper Osvaldo nimmt morgens um 6 Uhr den Pinsel in die Hand und legt ihn erst mit dem letzten Licht wieder weg. Tatkräftige Unterstützung hat er von seiner Crew und so kann sich das Ergebnis schon nach einigen Tagen sehen lassen.

Nach getaner Arbeit ist Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Gibt es überhaupt noch eine Steigerung von der großen Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir bisher auf allen Inseln im Pazifik erlebt haben? Die Menschen auf Fidschi kommen uns tatsächlich noch freundlicher, noch herzlicher, noch zugewandter, noch offener vor, als all die vielen, tollen Menschen, die wir bisher getroffen haben.

In den folgenden Tagen haben wir die Gelegenheit eine Schule und ein paar Tage später einen Kindergarten zu besuchen. Absolutes Highlight ist ein ganzer Sonntag in einem kleinen Dorf. Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst in der von den Bewohnern selbst gebauten Kirche, denn wie auf allen Inseln sind die Menschen tief religiös. Es gibt keine Bänke, alle sitzen auf Kokosblatt-Matten auf dem Boden. Im Anschluss werden wir zu einer Kava-Zeremonie im Versammlungshaus eingeladen, danach zum Mittagessen bei einer Großfamilie. Auch dort sitzen wir auf dem Boden. Gegessen wird mit den Händen. Nachmittags macht Osvaldo einige Zaubertricks für die Kinder. Es ist ein unvergesslicher Tag für alle.

 

Kurs Fidschi

22. August 2019

15 bis 20 Knoten aus Südost mit einer Welle von max. zwei Metern bescheren uns herrliche Segeltage. Vier Tage lang bleibt der Wind so konstant, dass wir bis auf minimale Segelkorrekturen nichts zu tun haben. Wir machen Etmale von 150 Seemeilen. Andere Schiffe sind kaum zu sehen, dafür Delfine, etliche fliegende Fische und viele Vögel. Einer ist so erschöpft, dass er sich die Polarwind als Ruheplatz aussucht und eine ganze Nacht bei uns bleibt.

Die letzten einhundertachtzig Meilen sind dann nicht mehr ganz so entspannt. Drehende Winde und Flaute wechseln sich ab. Wir sind alle froh, als wir nach insgesamt sechs Tagen endlich um die Südseite der Hauptinsel Fidschis herum segeln. Da der Travellift wohl nirgendwo im Pazifik so günstig wie auf Fidschi ist, ist unser Ziel die Vuda Marina, denn ein paar Arbeiten am Boot stehen an. 

Noch einmal Samoa

15. August 2019

Apia, Samoa: Nur 80 sm sind es bis ins andere, unabhängige Samoa. Auch hier empfangen uns die Menschen mit der typischen Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Südsee, aber nicht nur sie! Auf Samoa treffen wir unsere langjährige Segelfreundin Paula aus Argentinien wieder, die seit Jahren mit einem Katamaran im Pazifik unterwegs ist. Was für ein Wiedersehen!

Gemeinsam mit Paula haben wir die Gelegenheit, tief in die Kultur Samoas einzutauchen und das typische Leben in den Dörfern kennenzulernen: Traditionell kochen die Männer. Brotfrucht, Bananen, ein ganzes Ferkel und Fisch werden auf heiße Steine gelegt und mit Bananenblättern zugedeckt. Bis das Essen fertig ist, lernen wir, aus Palmenblättern Teller zu flechten. Man zeigt uns außerdem, wie die überall und von allen, also Männern und Frauen, getragenen Wickelröcke, lava lavas genannt, gefärbt und Schalen aus Holz geschnitzt werden. Höhepunkt ist für uns, dabei zu sehen zu dürfen, wie einer der Männer auf traditionelle Art ein neues Tattoo bekommt. Das muss wirklich schmerzhaft sein, aber der Mann verzieht keine Miene.

Die grüne Insel gefällt uns unglaublich gut. Überall gibt es Wasserfälle, in denen man baden kann und auf der Südseite der Insel wartet eine besondere Überraschung auf uns: To Sua, übersetzt das große Loch, ein spektakulärer Natur-Swimmingpool. Durch einen Tunnel im Lavagestein hat sich das Meer einen Tunnel gebahnt und über Jahrtausende ein großes, ca. 30 m tiefes Loch ausgewaschen. Über die rutschige Holztreppe hinunterzuklettern ist aufregend, in dem Loch zu schwimmen sagenhaft.

Noch einer hat lange vor uns gemerkt, wie toll diese Insel ist: Der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson, der unter anderem Die Schatzinsel geschrieben hat, verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Samoa und schrieb hier einige seiner bekanntesten Werke. Natürlich besuchen wir auch sein Haus, das inzwischen ein Museum ist.

Am letzten Abend sehen wir eine Feuershow. Männer, nur mit Blättern der Kokospalmen bekleidet, tanzen um und durch das Feuer. Wirklich beeindruckend sieht das aus. Schweren Herzens verabschieden wir uns von dieser fantastischen Insel und machen wir uns mit dem nächsten Wetterfenster wieder auf den Weg.

Eine Pazifik-Überraschung

01. August 2019

Eine Pazifik-Überraschung

Die weit nach Norden reichenden von Neuseeland durchziehenden Fronten ließen uns buchstäblich im letzten Moment den weisen Entschluss fassen, weiter nördlich zu segeln. So kamen wir nach knapp zehn Tagen auf dem Wasser eher unvorbereitet nach American Samoa. Ja, wir geben es zu, diese Insel hat uns nicht wirklich gereizt. Soll es dort außer günstigen Supermärkten laut Revierführer nicht viel Interessantes geben. Zum Glück hat uns die Insel – und besonders die Einwohner – eines Besseren belehrt: Obwohl US-amerikanisches Territorium, sind die Menschen tief in ihrer ursprünglichen Kultur und Traditionen verwurzelt. Fast alle tragen die typischen Wickelröcke, lavalava genannt, auch die Männer. Untereinander wird eher samoanisch als englisch gesprochen. Wir werden mit einer Herzlichkeit empfangen, die alle Gastfreundschaft Französisch Polynesiens noch überbietet. Egal ob im Bus oder Waschsalon, die Menschen haben Interesse an uns, erzählen bereitwillig und offen von ihrem Alltag und führen uns langsam in die Geheimnisse der Insel ein. Bei Wanderungen im großen Nationalpark lernen wir die Insel noch besser kennen – und sind richtig froh, hier gelandet zu sein!