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Zu Corona-Zeiten im Roten Meer

28. Mai 2020

Zu Corona-Zeiten im Roten Meer  

Gemeinsam mit drei anderen Yachten und einem sehr mulmigen Gefühl haben wir uns Ende März in Dschibuti auf den Weg gemacht, Kurs Nord durch das Rote Meer. Es folgten aufregende, anstrengende, außergewöhnliche, intensive und nicht zu vergessende Wochen. Pläne änderten sich täglich, das Wetter auch. Nordwind, Nordwind und immer wieder Nordwind galt es abzuwarten – in Ankerbuchten in Eritrea, im Sudan und in Ägypten. Da inzwischen auch im Mittelmeer alle Grenzen zu waren, entschieden wir uns, uns Zeit zu lassen. Nicht gegen den Wind anzumotoren, wie es viele Segler im Roten Meer tun, sondern auf den passenden Wind zu warten. So verbrauchten wir nicht unnötig Diesel, von dem wir nicht wussten, wann und wo wir neuen bekommen konnten. In keines der Länder durften wir offiziell einreisen, alle Grenzen waren dicht, alle Häfen geschlossen. Wie die Pest-Schiffe damals waren wir unterwegs. Niemand wollte uns, nirgendwo durften wir bleiben. So begleitete uns immer die Sorge, ob wir wirklich bis zum nächsten Wetterfenster am Ankerplatz bleiben durften oder nicht. Meistens waren wir in einsamen Buchten oder hinter Riffen, in denen wir höchstens ein paar Fischer von weiten sahen. Im Sudan kam das Militär, mit vorgehaltenen Waffen zunächst. Wir lächelten sie an, sie lächelten zurück und ließen die Gewehre zum Glück sinken. Zumindest, bis der Wind drehte, durften wir bleiben.

Knapp 60 Tage konnten wir das Schiff nicht verlassen, wochenlang hatten wir weder Obst noch Gemüse. In Ägypten kaufte ein netter Mensch – heimlich – für uns ein. Wirklich bewundernswert war die Gemeinschaft: vier Yachten, die als einzige Gemeinsamkeit hatten, zu Corona-Zeiten beim gleichen Wetterfenster Dschibuti zu verlassen. Zehn Wochen blieben wir zusammen, unterstützten uns gegenseitig, besprachen Wetter und Routen, halfen uns bei Reparaturen und tauschten Diesel, Wasser und Lebensmittel – je nachdem wem was fehlte. Konflikte gab es nie, dafür sehr gemütliche Treffen in den diversen Ankerbuchten und gemeinsame Feiern, wie einen 70.Geburtstag. Gemeinsam haben wir es geschafft. Gemeinsam durchfuhren wir den Suez-Kanal.

Die Yachten sind total versandet, selbst die Segel sind mehr rot-braun als weiß. Mitten im Suez-Kanal, im Yachtclub der Kanalgesellschaft dürfen wir zum ersten Mal wieder an Land und uns zumindest auf dem Gelände des Clubs die Füße vertreten. Dort gibt es auch einen Wasseranschluss. Tagelang schrubben wir den Sand vom Schiff, waschen jede Leine und putzen jeden Winkel, um endlich den Sand loszuwerden.

Dank an unsere Botschaften aus insgesamt 6 Ländern, die uns unterstützen, Mut zusprachen und Dank an andere Segler/innen, die uns mit aktuellen Infos zu den Ländern versorgten.

Trotz aller Corona-Einschränkungen haben wir das Rote Meer gemeistert! Wir sind stolz und glücklich und gleichzeitig voller Sorge. Nicht alle hatten so viel Glück wie wir: die drei-köpfige Crew des türkischen Katamarans Murat Reis, die wir in Sri Lanka kennengelernt haben, wird seit mehr als 30 Tagen in Eritrea, wahrscheinlich vom Militär, festgehalten. Warum weiß niemand, nicht einmal die türkische Botschaft bekommt Auskunft. Wir hoffen so sehr, dass diese Geschichte gut ausgeht und sind in Gedanken bei ihnen.

 

Wenn aus Träumen Albträume werden

22. März 2020

Dschibuti: Wir sind in Kontakt mit vielen Segler/innen in aller Welt, die wir im Laufe der Jahre kennengelernt haben. Mehr als eine/r ist zur Zeit völlig verzweifelt. Die Informationen über verhängte Einreisestopps und geschlossene Häfen ändern sich täglich – und nicht zum Besten. Das Corona-Virus macht die internationaler Seglergemeinschaft zu einer Gruppe nicht gewollter Aussätziger, für die sich momentan niemand zuständig fühlt und die selbst nicht wissen, wohin. Innerhalb von einer Woche hat sich bei den meisten das traumhafte Bord-Leben in einen Albtraum verwandelt.

Facebook-Gruppen wie die zum Roten Meer, in der es eigentlich um aktuelle Piraten-Warnungen geht, werden nun für Corona-Segel-Infos genutzt. In welche Häfen kann man noch einlaufen? Wo gibt es noch Lebensmittel oder Wasser und Diesel?

Gute Freunde sitzen mit ihrer Yacht auf den Malediven fest. Der Skipper schreibt etwas sarkastisch: Wer hätte gedacht, dass mein Hobby, das Speerfischen, plötzlich zu lebensnotwendiger Nahrungsbeschaffung werden würde?

Noch ist Corona in den meisten Ländern zu frisch, als das geregelt wäre, wer sich um ankommende Yachten kümmert. „Bleibt, wo ihr seid!“, ist der Tenor – wenn immer es möglich ist. In Dschibuti ist es leider nicht möglich. In wenigen Wochen wird sich das Wetter ändern.Für uns heißt das, das wir beim nächsten Wetterfenster weiter müssen. Unser eigentliches nächstes Ziel, Suakin im Sudan, ist inzwischen auch zu. Unser Plan ist es nun, zu versuchen, so schnell wie möglich so weit es geht nach Norden zu kommen. Aber wir werden uns wohl wegen des immer wiederkehrenden Nordwindes in Ankerbuchten entlang der Westküste des Roten Meeres hangeln müssen.

Wie es momentan aussieht, werden wir auch nicht in Ägypten einlaufen dürfen. Da wir dort aber erst ein paar Wochen ankommen werden, hoffen wir zumindest frisches Wasser und Lebensmittel bekommen zu können. Und dann möglichst schnell durch den Suez-Kanal.

Wir wissen nicht, wann wir das nächste Mal Land betreten oder wo das sein wird. Auch nicht, wo und wann wir das nächste Mal Lebensmittel bekommen oder unsere Wäsche waschen können. Wir wissen nur, dass wir hier nicht bleiben können. Schauen wir, was passiert. 

Über Indien nach Dschibuti

16. März 2020

Vor der Küste Somalias gibt es nach wie vor Piraten, das steht außer Frage. Nicht ohne Grund warnt das Piraterie-Präventionszentrum der Bundespolizei Segelyachten davor, diese Route zu wählen. Alles andere wäre auch völlig falsch.

Es ist allerdings auch eine Tatsache, dass die Piraten-Aktivitäten durch die vor Ort operierenden internationalen Antipiraterie-Streitkräfte wesentlich eingeschränkt wurden und dass Frachter und Öltanker für verbleibende Piraten scheinbar wesentlich attraktiver sind als kleine Segelyachten. Nachdem wir die Situation seit Monaten beobachtet und uns ausführlich an vielen Stellen informiert haben, wagen wir die Fahrt durch den Golf von Aden.

Mit einem kurzen Zwischenstopp in Cochin in Indien nehmen wir die längste – und gefährlichste – Etappe in Angriff, die wir jemals mit der Polarwind an einem Stück gesegelt sind: 2000 Seemeilen.

Die Seetage sind eintönig, aber nicht langweilig. Wind haben wir eher wenig, aber das wussten wir vorher. Ist doch dieser Teil des Indischen Ozeans für seine leichten Winde bekannt. So sind wir in einem Wechsel aus Leichtwindsegeln und niedrigtourigem Motoren unterwegs. Es geht voran, langsam zwar, aber stetig.

Jeden Tag scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Jede Nacht bestaunen wir den funkelnden Sternenhimmel. Keine Regenwolke, kein Squall, nichts. Dabei würden wir uns über etwas Regen durchaus freuen, das Deck ist von einer dicken Salz- und Staubkruste überzogen.

Ein bisschen mehr Wind wäre auch schön, aber wenigstens ist das Leben an Bord mit wenig Wind sehr angenehm. Es gibt kaum Schiffsbewegungen, man muss sich nirgendwo festhalten. Tassen bleiben stehen, Playmobil-Männchen auch. Wir verbringen die Tage mit schlafen, lesen, kochen, backen, Schule, spielen und Geschichten erzählen.

Ab und zu kommen Delfine vorbei und begleiten uns ein Stück. Der Anblick ist jedes Mal wieder ein besonderes Geschenk. Dann taucht eines Morgens plötzlich ein riesiger Wal – größer als die Polarwind – in nur 20 m Entfernung auf. Lange stehen wir staunend an Deck und beobachteten, wie er langsam und mayestetsich in einem großen Bogen um die Polarwind schwimmt.

Im Sicherheitskorridor im Golf von Aden senden wir täglich unsere Position per E-Mail an die Sicherheitsbehörden MSCHOA und die UKMTO (Maritime Trade Information Centre). Beide raten Yachten übrigens nicht ab, hier durch zu segeln - im Gegenteil: Sie bieten jegliche Unterstützung an, haben ein online-Registrierungsformular und geben genaue Instruktionen sowohl für das Durchsegeln der Hochsicherheitszone als auch für einen eventuellen Angriff.

Wir bleiben in der Nähe des IRTC. Täglich zweimal überfliegt uns die japanische Navi und informiert per Funk, dass man sich bei irgendwelchen verdächtigen Beobachtungen sofort an sie wenden solle. Einmal kommt ein riesiger Flugzeugträger an uns vorbei. Aber am meisten beruhigt uns die ständige Nähe der vielen Frachter. Auf dem AIS haben wir fast immer mindestens drei oder vier in wenigen Meilen Entfernung und fast alle haben bewaffnetes Sicherheitspersonal an Bord. Müssten wir einen Piraten-Notruf absetzen, wären sie innerhalb weniger Minuten bei uns. Und wie wir gehört haben, fackeln diese privaten Sicherheitsleute im Notfall nicht lange rum, sondern schießen sofort. Fakt ist aber, dass wir kein einziges Mal auch nur annähernd irgendwelche verdächtigen Schiffe oder gar Boote sehen. Klar gehen wir aufmerksamer Wache als sonst und suchen sehr regelmäßig den Horizont Richtung somalischer Küste ab. Aber da ist nichts zu entdecken. Absolut gar nichts.

Die letzten fünf Tage nimmt der Wind endlch zu, mit ausgebauter Genua machen wir ordentlich Meilen und können gerade noch in Dschibuti einklarieren, bevor am nächsten Tag der Hafen wegen des Coronavirus zu macht.

Sri Lanka

19. Februar 2020

Sri Lanka

Aus Thailand kamen wir dann doch nicht ganz so flott weg. Ein Problem mit Batterien und Solapanelen ließ uns einen mehrtägigen Reparaturstopp in Phuket einlegen – besser noch dort, wo es alle Ersatzteile gibt, als in den nächsten Ländern, in die wir kommen werden. Die ca. 1000 Seemeilen nach Sri Lanka waren dafür dann aber regelrecht erholsam. Die Windvorhersage war zunächst ziemlich mau, trotzdem machten wir uns auf den Weg und hofften, die meist windschwache Zone vor der Westküste Thailands möglichst bald hinter uns zu lassen. Am dritten Tag kam er dann auch endlich, der langersehnte Nord-Ost-Monsum, und bescherte uns mit seiner konstanten Windrichtung und ca. 15 Knoten sehr entspannte Segeltage.

Sri Lanka gefiel uns vom ersten Moment gut. Die Yacht lag, entgegen anderer zunächst gehörten Meinungen, sicher im Hafen von Galle, so dass wir die Stadt erkunden und sogar eine mehrtägige Tour zu den Teeplantagen in den Bergen machen konnten. Unglaublich, was man über Tee alles lernen kann! Die Fahrt mit dem Zug durch die Teeplantagen ist wunderschön, die Menschen freundlich und nett, das Essen lecker. In Sri Lanka hätten wir es gut auch noch länger ausgehalten, aber wir wollen nicht zu spät im Jahr durchs Rote Meer, deswegen geht es schon weiter.

Thailand

20. Januar 2020

Thailand

Die Inselwelt der Andamanensee ist das reinste Segelparadies. Zum Glück haben die thailändischen Behörden Verständnis und geben Yachten ein paar Tage Zeit, bevor sie sich in einem der Häfen auf Phuket oder dem Festland einfinden müssen, um offiziell einzuklarieren.

Wir verbringen wunderschöne Tage zwischen den Inseln. Bei mäßigen Winden segeln wir von Inseln zu Insel. Fast täglich wechseln wir den Ankerplatz und entdecken tolle Buchten. Bsonders beeindruckend ist die Insel Ko Muk, auf der man durch eine lange Höhle zu einem kleinen Strand kommt, ein echtes Piratennest aus früheren Zeiten.

Da Hauptreise- und Segelzeit in Thailand ist, versuchen wir dem Rummel so weit wie möglich zu entgehen und klarieren in Krabi auf dem Festland ein. Dort sind die Behördengänge schnell und unkompliziert. Wir erkunden einige Orte in der Nähe, finden leckeres und günstiges Essen, tolle Märkte und freundliche Menschen. An einem Tag besuchen wir den „Tiger Cave Temple“, wo wir im Schweiße unseres Angesichts mehr als 1200 Stufen bis zu einer riesigen Buddha-Statue hochklettern, dafür aber mit einer grandiosen Aussicht belohnt werden.

Höhepunkt ist der Besuch in einem kleinen Dorf im Dschungel, wo wir erst auf Elefanten durch den dichten Wald reiten und dann ein 10-jähriges Elefantenkind im Fluss waschen. Was für ein einmaliges Erlebnis!

Dank dem deutsch-thailändischen Paar Ingo und Maya, die mit ihre Katamaran MANGO Chartertörns in der Inselwelt anbieten, lernen wir die allerschönsten Inseln kennen. Wir begleiten sie am Anfang ihres nächsten Törns und kommen nicht nur in den Genuss, eine einsamen Lagune hinter einem versteckten Felsdurchgang kennenzulernen, sondern auch vor dem schönsten Blick auf den Sonnenuntergang zu ankern. Danke, ihr beiden!

Thailand hat uns sehr gut gefallen, aber nun heißt es langsam Abschied nehmen. Kurs Sri Lanka!